Felsenmeer Hemer

Nationales Geotop

Felsenmeerstraße/Sundwiger Weg (von Süden) / Deilinghoferstraße (von Norden), Hemer

Das Felsenmeer liegt im sauerländischen Hemer, im östlichen Teil des Ortes zwischen den Ortsteilen Sundwig und Deilinghofen. Es ist für Besucher frei zugänglich. Südlich des Felsenmeeres befindet sich die Heinrichshöhle, eine Tropfsteinhöhle und eine von den drei Besucherhöhlen im GeoPark Ruhrgebiet. Nördlich davon liegt der Sauerlandpark, ein Freizeitpark auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände von 2010.

Von Süden ist das Felsenmeer über die Felsenmeerstraße erreichbar. An der Hönnetalstraße befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Felsenmeerstraße ein Parkplatz. Von hier aus sind es knapp 100 Meter Fußweg bis zur benachbarten Heinrichshöhle und ca. 400 m bis zum Felsenmeer. Von Norden ist das Felsenmeer über die Deilinghoferstraße erreichbar, an der sich auch ein Parkplatz und eine Bushaltestelle (Felsenmeer) befinden. Hier liegt auch der Eingang zum Sauerlandpark.

Das „Felsenmeer“ ist eines von drei „Nationalen Geotopen“ im GeoPark Ruhrgebiet. Es wurde im Jahr 2006 von der Akademie der Geowissenschaften zu Hannover in die Liste der bedeutendsten Geotope in Deutschland aufgenommen und ausgezeichnet.

Zusammen mit der benachbarten Heinrichshöhle, einer bekannten Besucherhöhle, bildete das Felsenmeer ein geologisches „Highlight“ im Bereich der Landesgartenschau im Jahre 2010. In diesem Rahmen wurden Stege, eine Brücke und eine Aussichtsplattform angelegt. Die schönsten Bereiche und Aussichtspunkte sind über den ausgewiesenen Panoramaweg erreichbar. Das heutige Felsenmeer ist Gemisch aus Geotop, Biotop und bergbaugeschichtlichem Bodendenkmal. Es steht seit 1968 unter Naturschutz und ist heute ein „Schutzgebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung“ gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richlinie der EU und somit Bestandteil des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“.

Das Felsenmeer ist ein Teil des Zuges aus mitteldevonischem Riffkalkstein, der sich am Südrand des Ruhrgebietes von Wuppertal über Hagen und Iserlohn bis ins Hönnetal zieht. Im Bereich zwischen Hemer-Sundwig und Deilinghofen wurde der Kalk durch mineralhaltige Wässer intensiv mit Roteisenstein vererzt. In der Tertiärzeit, vor 20 bis 30 Mio. Jahren, entstand bei warm-feuchten Klimabedingungen durch teilweise Auflösung des Kalksteins an der Erdoberfläche eine bizarre Kegelkarstlandschaft mit schroffen Felsen, die durch tiefe Schloten voneinander getrennt wurden. Dadurch, dass sich bei der Heraushebung des heutigen Sauerlandes die Täler allmählich eintieften, sank der Grundwasserspiegel ab, und im Untergrund bildeten sich ausgedehnte Höhlensysteme. Im Höhlenlehm lagerten sich Erzgerölle ab, die zum Teil durch die Verwitterung des eisenhaltigen Kalkes entstanden, aber auch von außen eingeschwemmt wurden. Während des Eiszeitalters wurde vor ca. 200 000 Jahren diese Karstlandschaft dann durch die Aufwehung von Löß vollständig verschüttet, der der damaligen Kältesteppe vor allem im Rheinland entstammte.

Dieser Löß bildet heute den Untergrund der relativ flachen Hochfläche, in der das Felsenmeer liegt. Durch welche Vorgänge ein Teil der Lößüberdeckung wieder abgetragen wurde, ist nicht zweifelsfrei klar: Obwohl das Felsenmeer in seinem unteren Ende in ein kleines Tal ausläuft, spricht gegen eine Ausräumung des Lösses durch ein Gewässer das Fehlen einer erkennbaren Abflussrinne und die unregelmäßige Talform. Einer Deutung als riesiger Bergbaupinge steht die Frage nach dem Verbleib des Materials entgegen, das große Haldenschüttungen erwarten ließe. Möglicherweise wurde der größte Teil des Lösses unterirdisch über Höhlengewässer abgeführt.

Die Eisenerze des Felsenmeergebietes wurden bis zum Jahre 1871 bergbaulich genutzt, wobei die Bergleute oftmals natürliche Höhlen ausräumten, erweiterten oder alsTransportwege benutzten. Archäologische Funde bezeugen einen Beginn des Bergbaus schon im 10. Jahrhundert, der zunächst die besonders eisenreichen Erzgerölle im Höhlenlehm zum Ziel hatte.  Ab etwa 1500 wurde dann auch der geringer vererzte Kalkstein abgebaut. Oberirdisch hinterließ der Bergbau Schachtöffnungen, Stollenmundlöcher und Halden, unterirdisch sind bis heute zahlreiche Naturhöhlen und Bergbauhohlräume zugänglich. Über den Bergbau in der Region informiert das Felsenmeer-Museum in Hemer.

Nach der Einstellung des Bergbaues entwickelte sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in dem Klippengebiet ein Buchenhochwald mit zahlreichen botanischen Besonderheiten. Auf den Felsen wachsen seltene und stark gefährdete Moos- und Farnarten, die überregional bedeutsam sind. Auf nährstoffreichem Boden stocken Kalk-Buchenwälder, im kühl-feuchten Bereich der Felsklippen sind auch Fragmente des sehr seltenen Eschen-Ahorn-Schluchtwaldes vorhanden. Die zahlreichen Höhlen und Klüfte im Untergrund stellen wichtige Quartiere für die hier vorkommenden Fledermausarten dar.

(Dr. Volker Wrede)

Nach oben

metropoleruhr.de #Geopark Ruhrgebiet #Geopark entdecken #Geotope #Felsenmeer Hemer