Kaisberg in Hagen (mit fossilem Treibholz)

GeoPfad Kaisberg

Freiherr-vom-Stein-Straße, Hagen

Über den Kaisberg führt der Geopfad Kaisberg. Informationen zum Verlauf des GeoPfades und eine Download-Angebot für die Tafeln an den einzelnen Stationen des GeoPfades finden Sie hier. Für Autofahrer, die den Rundweg begehen möchten, bietet sich als Start der Parkplatz am Wasserschloss Werdringen (Werdringen 1). Das Wasserschloss beherbergt ein Museum für Ur- und Frühgeschichte, in dem u.a. einige der berühmten Insektenfunde aus dem Ziegeleisteinbruch Hagen-Vorhalle zu finden sind. Von hier aus sind es etwa 1 km Fußweg bis zum Aufschluss mit dem fossilen Treibholz. Die nächstgelegene Bushaltestelle ist Brockhausen. Von hier gelangt man über die Freiherr-vom-Stein-Straße auf der rechten Seite, die ebenfalls Teil des Rundwegs ist nach 500 Metern zu Aufschluss. Alterantiv kann man ihn auch über die Herdecker Straße (s.u.) erreichen.

Von der Zufahrt zum S-Bahnhof Hagen-Vorhalle an der Herdecker Str. zweigt eine beschilderter Fahrweg zum ”Klärwerk Hagen” ab. Dort, wo dieser Fahrweg den Waldrand erreicht, zweigt links ein Fußweg ab, der den Hang des Kaisbergs hinauf zu einer kleinen Eisenbahnbrücke führt. Der Eisenbahneinschnitt am Kaisberg gehört zu den ”klassischen” Aufschlüssen der Ruhrgebietsgeologie. Es handelt sich um den namengebenden Ort, den „locus typicus" der sogenannten Kaisbergschichten, des untersten Abschnitts des kohleführenden Oberkarbons. Die Kaisbergschichten enthalten vier dickbankige Sandsteinlagen (den Sengsbank-Sandstein, den Sengsbänksgen-Sandstein, den Kaisberg-Sandstein und den Grenzsandstein) sowie einige dünne Kohlenflözchen. Die gesamte Schichtenfolge ist in den Böschungen der Eisenbahnstrecke aufgeschlossen. Wegen des Zugverkehrs können wir sie hier jedoch nicht genauer untersuchen – wir lernen sie aber auch im Aufschluss am Schiffswinkel (Aufschluss 7) kennen. Die Kaisbergschichten bilden hier, zusammen mit den älteren, darunterliegenden Schichten der Ziegelschieferzone, eine nach unten gewölbte Gebirgsfalte von fast 1 km Spannweite, die sogenannte Hiddinghäuser Mulde. Der Fußweg, der unter der Bahnunterführung hindurchführt, folgt kurz danach durch ein kleines Tälchen bergauf exakt dem Verlauf des Muldenkerns. Die beiden Seiten einer Mulde werden als Schenkel oder Flanke und das Zentrum als Kern bezeichnet.

Direkt hinter der Eisenbahnunterführung finden wir den dickbankigen Sengsbank-Sandstein. Die Schichten sind deutlich nach rechts geneigt, das heißt, sie fallen nach Norden ein. Wenige Meter weiter an der Wegbiegung liegt über dem Sandstein das dünne Flöz Sengsbank. Es ist in diesem Teil des Ruhrgebietes das älteste Flöz. Wie schon erwähnt, bildet das Tälchen oberhalb von Flöz Sengsbank den Muldenkern. Wir laufen einige Meter das Tal bergauf und können rechts des Weges (hinter einer Felsrippe oben in der Böschung) erneut das Flöz Sengsbank finden. Diesmal sehen wir es auf dem nördlichen Muldenschenkel, dort fällt es steil nach Süden hin ein. Durch eine Gebirgsstörung (Überschiebung) ist der Schichtenverband zerrissen, so dass einige Gesteinsbänke doppelt auftreten.

Der Fußweg führt nun im Muldenkern treppenartig ausgebaut bergauf bis zu einer Kreuzung. Dort hält man sich links und folgt der am Waldrand entlangführenden Lindenallee bis zu einer auffälligen Geländestufe. Hier folgt man nicht dem Wanderweg weiter zum Freiherr-vom-Stein-Turm, sondern biegt erneut links in einen überwachsenen früheren Fahrweg ein, der zu einem oberhalb der Bahnstrecke gelegenen Steinbruch führt. Dieser besteht aus mehreren Teilen, in denen vor allem der Kaisberg-Sandstein und der Grenzsandstein gut aufgeschlossen sind. Von der steilen Bruchkante aus genießen wir einen schönen Blick in östliche Richtung über das Ruhrtal. Nach rechts biegt der Weg zunächst an der nur undeutlich zu erkennenden Rippe des Sengsbänksgen-Sandsteins vorbei in den vorderen Steinbruchteil. (Dieser Bruch ist ein ”Geschützter Landschaftsbestandteil”.) Hier ist der Kaisberg-Sandstein hervorragend aufgeschlossen. Dieser Sandstein bildete sich vor etwa 317 Millionen Jahren in einem großen Delta an der Küste des Karbonmeeres. Hier mündete ein Fluß, der Schlamm und Sand aus einem im Süden gelegenen Gebirge heranführte. In der Steinbruchswand erkennen wir Querschnitte durch ehemalige Flussrinnen. Die Abflussrinnen innerhalb des Deltas verlagerten sich immer wieder und wurden mit Sand aufgefüllt. Teilweise wurde Material auch wieder abgetragen und umgelagert. Wenn wir heute vor der Bruchwand stehen, sehen wir deshalb einen Stapel sich einander durchschneidender Rinnenkörper.

Besonders bemerkenswert sind zwei fossile Baumstämme, die in den Sandstein eingelagert sind. Sie wurden als Treibholz vom damaligen „Kaisberg-Fluß“ herantransportiert und in den Ablagerungen des Flussdeltas verschüttet. Die karbonzeitlichen Bäume gehörten einer uns fremdartig erscheinenden Lebenswelt an: Sie wurde beherrscht von baumhohen Farnen, Schachtelhalmen und Bärlappgewächsen. Diese Bäume besaßen keine feste Holzsubstanz, sondern die Stämme waren hohl oder nur mit einem faserigen Material gefüllt, das kaum erhaltungsfähig war. Man findet von diesen Pflanzen daher meist nur Abdrücke der Rinde, Blätter oder Äste und Zweigabschnitte. Auch die fossilen Stämme in diesem Steinbruch sind hohl, so dass man sich bequem hineinhocken kann.

Umgeht man nun die folgende Gesteinsrippe, so gelangt man in den hinteren Steinbruchsteil. Hier bietet der Grenzsandstein ein ganz ähnliches Bild wie der Kaisberg-Sandstein: Auch er wurde in einem Flussdelta abgelagert, das sich aus immer wieder verlagernden Rinnen zusammensetzte. Der Grenzsandstein hat seinen Namen daher, dass er im Raum Hagen die Grenze zwischen den flözführenden Abschnitt des Oberkarbons und den flözleeren älteren Schichten bildet.

Text aus:

MÜGGE, V.; WREDE, V., DRODZEWSKI, G.: Von Korallenriffen, Schachtelhalmen und dem Alten Mann. Ein spannender Führer zu 22 Geotopen im mittleren Ruhrtal. Klartext, 2005.