Karstgebiet Weißer Stein in Hagen

Zur Hünenpforte, Hagen

Biegt man von der Hohenlimburger Straße in die Straße "Zur Hünenpforte" ein, so liegt linkerhand ein Parkplatz, oberhalb davon die Hünenpforte und rechterhand das Karstgebiet "Weißer Stein", das auf zahlreichen Fußwegen durchwandert werden kann. An der Kreuzung liegt auch die nächstgelegene Haltestelle "Hünenpforte".

Die Umgebung Hohenlimburg ist für die Karst- und Höhlenforschung im Rheinischen Schiefergebirge von besonderer Bedeutung.Im Jahr 2004 entdeckten Höhlerforscher des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. in der seit den 1980er Jahren bekannten "Blätterhöhle" zahlreiche menschliche Überreste. Mittel- und Jungsteinzeit. Im Jahr 2006 begannen dort unter Federführung der Stadt Hagen archäologische Grabungen. Einige der Funde sind in dem Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdingen zu sehen.

Von der Verkarstung ist besonders der Massenkalk betroffen. Dieser Kalkstein tritt nicht nur nördlich der Lenne bei Oege zu Tage, sondern bildet westlich von Hohenlimburg auch das Südufer des Lennetals. Hier ragen die Kalkmassive der Hünenpforte und des Weißensteins hoch auf, zwischen denen das wasserlose Holthauser Tal eingetieft ist.

Hier im Gebiet von Hagen-Holthausen wurde der Massenkalk entlang von Gebirgsstörungen in einzelne Kalkmassive zerlegt. Die dadurch entstandenen Risse und Spalten bieten dem Grundwasser  Zugang in den felsigen Untergrund. Bäche, die von Süden her aus dem Gebiet  wasserunlöslicher und daher nicht verkarstungsfähiger Gesteine (Tonsteine und Sandsteine der Mitteldevonzeit, ca. 390 Millionen Jahre alt) kommen und hier auf den Massenkalk stoßen, verlieren ihr Wasser an den Untergrund. Das Wasser versickert durch Schlucklöcher und verschwindet in Gesteinsspalten und –Klüften der Tiefe. Solche Schlucklöcher werden „Bachschwinden“ oder „Ponore“ genannt. Eine beachtenswerte Bachschwinde liegt südlich des Melkmeskopfes am Breikenbach. Hier existiert eine, allerdings verschlossene Höhle, die den versinkenden Bach aufnimmt. Dadurch, dass das Wasser im Untergrund versinkt, finden sich in den Tälern der Karstgebiete meist keine ständig fließenden Bäche mehr. Man spricht deshalb von „Trockentälern“, durch die bestenfalls noch zu Hochwasserzeiten Wasser fließt.

Auch der Bach im Holthauser Tal versickert im Untergrund. Im Gebiet von Holthausen treten mehrere bedeutende Höhlen auf. Offenbar wurden hier ältere, z.T. recht ausgedehnte Höhlen vom versickernden Bach wiederbelebt. Wie die Raumformen zeigen, entstanden diese Höhlen ursprünglich unterhalb des Karstwasserspiegels. Als dieser später sank, fielen die Höhlen trocken und wirken heute wie eine Drainage, durch die das Wasser der versickernden Bäche abfließt. Die größte Höhle in diesem Gebiet ist die „Holthauser Bachhöhle“ mit 625 m vermessener Ganglänge. Sie besteht aus einem engmaschigen Ganglabyrinth, das sich über mehrere Etagen erstreckt. Sie weist aber auch einige Hallen mit Tropfsteinbildungen und Kluftgänge von bis zu 20 m Höhe auf. Dicht benachbart liegt die „Geburtstagshöhle“, die auf 328 m vermessener Ganglänge eine Höhendifferenz von 23 m hat. Eingeschwemmte Kieselsteine zeigen, dass die Höhle zumindest früher von einem Bach durchflossen wurde. Die beschriebenen Höhlen liegen am südlichen Ortsende von Holthausen an der Strasse „Klippchen“. Die Höhlenportale wurden aus Gründen des Höhlenschutzes verschlossen.

Eine weitere Höhle wurde vor einiger Zeit beim Neubau eines Hauses an der Weissensteinstraße in Holthausen entdeckt. Auch hier zeigte eingeschwemmter Kies, dass die Höhle früher von einem Bach durchflossen wurde, der inzwischen aber seinen Lauf in ein noch tieferes Höhlenstockwerk verlegt hat.  Der Bauherr, der den Neubau errichten ließ, hat den Eingang dieser Höhle erhalten, so dass dieses Naturdenkmal auch weiterhin zugänglich ist.

An der Straße von Holthausen in Richtung Delstern zur Autobahn liegt auf der linken Seite ein Parkplatz an einer Brücke über den Milchenbach. Wandert man von hier dem auf der gegenüberliegenden Talseite verlaufenden Fahrweg talaufwärts, so erreicht man nach etwa 500 m das Versickerungsgebiet des Milchenbaches. Der größte Teil des Bachwassers versinkt hier im Untergrund.

Eine Hinweistafel am Waldrand informiert über die wechselvolle Entwicklung der Bachschwinden dieses Gebietes. Die in der Nähe gelegene „Milchenbacher Ponorhöhle“ konnte auf bisher 87 m Länge verfolgt werden. Durch die fortschreitende Bildung der Hohlräume kommt es nicht selten zu Nachbrüchen des darüberliegenden Gesteins. Bricht das Gestein bis zur Geländeoberfläche durch, so entsteht ein kesselartiger Einsturztrichter. Solche Einstürze nennt man Erdfälle oder auch Dolinen. Die Bildung eines Erdfalls kann über Nacht erfolgen. Einige recht junge Erdfälle liegen unmittelbar am Weg (Beschilderung). Da die Erdfälle und auch die Bachschwinden von den Landwirten immer wieder eingeebnet werden, ändert sich hier die Aufschluss-Situation kurzfristig.

Dort, wo das Tal des Holthauser Baches auf das Lennetal stößt, befindet sich ein sagenumwobener Berg von besonderem Interesse. Hoch oben auf diesem Berg ist das gewaltige Felstor „Hünenpforte“ zu sehen. Die Hünenpforte, die namensgebend für den gesamten Berg ist, ist der Rest einer ehemaligen Höhle. Sie dürfte schon sehr alt sein: Ihre Lage hoch über dem Lennetal zeigt an, dass sie entstand, als der Talboden der Lenne noch wesentlich höher gelegen hat als heute. Die Hünenpforte liegt heute in einem weglosen Naturschutzgebiet und kann nur mit einer Genehmigung der Landschaftsbehörde besucht werden. Besonders im Winter, wenn die Bäume unbelaubt sind, lässt sie sich aber von der Lennetalstraße aus oben am Berghang erkennen. Hier fanden sich Werkzeuge aus der Zeit der Rentierjäger, die unser Gebiet vor rund 10.000 Jahren durchstreiften. In einer anderen Höhle wurden erst kürzlich mehrere menschliche Skelette aus dieser zeit entdeckt – ein sensationeller fund, dessen wissenschaftliche Bearbeitung erst am Anfang steht.

Am Fuß des gegenüberliegenden Felsmassivs „Weißenstein“ liegt die bedeutende Karstquelle des „Barmer Teichs“. Sein Quellteich wird heute von der Bundesstraße 7 und der Eisenbahnstrecke in mehrere Teile zerschnitten und ist teilweise künstlich aufgestaut. In dieser Quelle tritt das Wasser des Milchenbaches und des Holthauser Baches, das oberhalb von Holthausen versickert ist, wieder zu Tage. Dies konnte durch Markierungsversuche belegt werden, bei denen das Bachwasser mit Farbstoff angereichert wurde, das dann im Barmer Teich und einigen kleineren Quellen in der Umgebung wieder auftauchte.

Text aus:

MÜGGE, V.; WREDE, V., DRODZEWSKI, G.: Von Korallenriffen, Schachtelhalmen und dem Alten Mann. Ein spannender Führer zu 22 Geotopen im mittleren Ruhrtal. Klartext, 2005.