Muttental

Nationales Geotop

Geostopp 61-69 der GeoRoute Ruhr


Muttentalstraße, Nachtigallstraße 35 (Zeche Nachtigall)

Das Muttental liegt westlich des Wittener Stadtteils Bommern. Am nördlichen Eingang in das Tal liegt das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall. Von hier aus sind es etwa 500 m bis zum Steinbruch Dünkelberg, der ersten Station des 9 Kilometer langen Bergbaurundwegs. An der Burgruine Hardenstein (etwa 800 m entfernt vom Steinbruch Dünkelberg) liegt auch ein Fähranleger für Ausflugsdampfer und ein Haltepunkt der historischen Museumeisenbahn Ruhrtalbahn, die auch an der Zeche Nachtigall hält.

Das „Wittener Muttental ist eines von drei „Nationalen Geotopen“ im GeoPark Ruhrgebiet. Es wurde im Jahr 2006 von der Akademie der Geowissenschaften zu Hannover in die Liste der bedeutendsten Geotope in Deutschland aufgenommen und ausgezeichnet.

Es bietet Besuchern eine hervorragende Kulisse, um die Geschichte des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet kennen zu lernen. Zu Recht wird das landschaftlich reizvolle Seitental der Ruhr als Wiege des Kohlenbergbaus bezeichnet. Von der einfachen Kohlengräberei der Bauern über den späteren Stollenbau bis hin zum Tiefbau der Zeche Nachtigall, die bis 1892 in Betrieb war und heute das Kernstück des LWL-Industriemuseums bildet, repräsentiert das Muttental eine über 450-jährige Bergbaugeschichte. Die Geschichte wird lebendig, wenn sich der Besucher auf den gut 10 Kilometer langen Bergbaurundweg begibt. Mehr als 40 Bergbauzeugen wie Halden, Stollenmundlöcher, das ehemalige Bethaus der Bergleute sowie Rekonstruktionen historischer Schachtanlagen oder die Trasse der Muttentalbahn, einer der ältesten Schienenwege Europas, können besichtigt werden. Es gibt kein zweites Areal im Ruhrgebiet, in dem geologische Aufschlüsse und bergbauhistorische Relikte in einer solchen Vielfalt so eng beieinander liegen wie hier im Muttental. Erste Station der Wandertour ist der ehemalige Ziegeleisteinbruch Dünkelberg (siehe unten). Er ist ein repräsentatives Beispiel für die Abfolge der Oberkarbonschichten. An der etwa 50 Meter hohen Wand sind typische Ton-, Sand- und Schluffsteine sowie Kohlenflöze zu sehen. Im Steinbruch Dünkelberg wurde Tonstein für die gleichnamige Ziegelei gewonnen. Die Ziegelei lag auf der gegenüberliegenden Bergseite auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nachtigall. Die Verbindung zwischen dem Steinbruch und der Ziegelei stellte der 130 Meter lange Nachtigall-Stollen her, von dem aus auch in kleinerem Maßstab Kohle abgebaut wurde. Der Stollen wurde mittlerweile zum Besucherstollen ausgebaut. Er ist eine touristische Attraktion, die längst auch über die Grenzen des Ruhrgebietes hinaus bekannt geworden ist. Die Zeche Nachtigall bietet regelmäßig Führungen im Stollen an. Es werden verschiedene Bergbautechniken vorgestellt und die Besucher können die Kohle im Berg aus nächster Nähe betrachten und anfassen. Neben der Steinkohle und den Tonsteinen wurden hier auch Sandsteine gewonnen, so dass allein schon im Areal des Industriemuseums Zeche Nachtigall die große Vielfalt der Rohstoffe im Ruhrgebiet erlebbar wird.

In den Museumsgebäuden der Zeche Nachtigall befindet sich auch das Infozentrum des GeoParks Ruhrgebiet. Neben allgemeiner Information kann der Besucher spezielle ortgebundene Angebote nutzen. So werden zwei vom GeoPark entwickelte geologisch-bergbaugeschichtliche Kinderrallyes und ein Kinderbuch angeboten. Eine Rallye führt über das Museumsgelände und in den Besucherstollen Nachtigall, die zweite Rallye lädt zu einer Entdeckertour in das Muttental ein. Durch das hervorragendes Zusammenspiel von Geologie, Bergbaugeschichte und deren touristische Inwertsetzung hat das Muttental deutschlandweite Bedeutung erlangt.

Von Löchern im Berg und Bergen im Tal - Erdgeschichten aus dem Muttental
Von Löchern im Berg und Bergen im Tal - Erdgeschichten aus dem Muttental

Steinbruch Dünkelberg im Muttental

Geostopp 62 der GeoRoute Ruhr


Im Muttental ist ein besonders kohlereicher Teil der Karbonschichten vertreten. Es handelt sich um die Unteren Wittener Schichten zwischen Flöz Finefrau-Nebenbank und Flöz Mausegatt. In diesem rund 100 m mächtigen Schichtpaket treten sechs bauwürdige Kohleflöze mit insgesamt 5 m Kohle auf. Der Kohleanteil beträgt demnach 5 % der Schichtenfolge und ist damit etwa doppelt so hoch wie sonst im Ruhrkarbon, wo er nur etwa 2 – 2,5 % beträgt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich der frühe Bergbau im südlichen Ruhrgebiet auf diesen kohlereichen Abschnitt des Oberkarbons konzentrierte.

Der Steinbruch Dünkelberg erschließt eine Schichtenfolge, die vom Geitling-1-Sandstein bis zum Finefrausandstein reicht, der die Oberkante des Steinbruchs bildet. Einen Überblick über den Steinbruch bekommt man am besten von der gegenüberliegenden Talseite aus. Die Schichtenfolge der steilen Steinbruchwand läßt oberhalb vom Stollenmundloch eine Dreigliederung erkennen: Der untere Abschnitt ist ca. 10 m mächtig und besteht aus Ton- und Schluffstein (Schluff ist etwas gröber als Ton). Die Schichten enthalten eine auffallend gelbe und stark aufgelockerte Sandsteinbank. Dieses Gestein entstand wahrscheinlich in einer Lagune oder in einem überfluteten Küstenbereich. Darüber folgt das Flözniveau Geitling 2 mit nur wenigen Wurzelresten, aber hier ohne Kohleführung. Offenbar wurde das Moor rasch vom Meer überflutet, wie der folgende Abschnitt, eine ca. 20 m mächtige tonige Folge zeigt, die von anfänglich marinen zu brackischen Sedimenten übergeht. An ihrer Basis liegt der marine Geitling-2-Horizont, der Muscheln und Wurmspuren von Planolites ophthalomides enthält. Nach oben wird die stark verwitternde Tonfolge, die an der Steinbruchwand deutliche Halden bildet, von dem 0,3 m mächtigen Flöz Mentor (Geitling 3) mit sandigem Wurzelboden abgeschlossen. Den obersten Abschnitt des Profils bildet der Finefrau-Sandstein. Er ist ein konglomeratischer Mittelsandstein, wie wir ihn bereits unterhalb Schloß Steinhausen kennen gelernt haben. Der Sandstein besteht aus Großrippellagen und erosiven Trögen nach Art von verzweigten Flußsystemen. Große Treibhölzer sind häufig. Die Schichtenfolge im Steinbruch „Dünkelberg“  liegt nur scheinbar horizontal. In Wirklichkeit fallen die Schichen vom Betrachter weg in den Berg hinein, weshalb der Finefrau-Sandstein jenseits des Berges – unterhalb von Flöz Steinhausen – im Straßenniveau zu beobachten war und das Flöz Mentor im Nachtigallstollen angetroffen wurde. Zusätzlich wird die Schichtenfolge von mehreren Gebirgsstörungen durchschlagen, die die Schichten jeweils um einige Meter gegeneinander versetzen. Besonders deutlich wird das an einer Störung am linken (westlichen) Ende des Steinbruchs, durch die der Finefrau-Sandstein bis in den Straßenbereich versetzt wird. Leider liegt diese Störung hinter der Umzäunung und ist deshalb zur Zeit nur schwer über das Museumsgelände zugänglich. Am entgegengesetzten, östlichen Ende des Steinbruchs finden wir einen 2 - 3 m mächtigen Wurzelboden und darüber die Reste des vollständig abgebauten, 1,5 m mächtigen Flözes Geitling 1. Die Bergleute gewannen die stückige Kohle und hinterließen nur feinste Kohlereste, die sich beim Nachgraben noch nachweisen lassen. Im Südosten des Steinbruchgeländes deuten oberirdische Kohleabbaustätten, die als kleine Vertiefungen in der Geländeoberfläche (Pingen) zu sehen sind, auf einen frühen Steinkohlenbergbau hin.

Der Abbau von Flöz Geitling 1, das wegen seiner Dicke und Reinheit ein begehrtes Steinkohlenflöz darstellte, ist hier in drei Phasen erfolgt. Am ältesten ist der Abbau in Pingen, d. h. durch Graben an der Oberfläche. Die beiden nachfolgenden Phasen des Abbaus durch Stollen- und Tiefbau sind hier nicht sicher auseinanderzuhalten. In der Regel ist der Stollenbergbau der ältere. Möglicherweise erfolgte aber hier zunächst im 19. Jahrhundert der Tiefbau durch die Zeche Nachtigall. Von den Schächten Neptun und Hercules folgte man den Flözen im Einfallen bis dicht an die Erdoberfläche, ließ jedoch einen Rest Kohle als Schutz vor Wasserzuflüssen stehen. Dieser Kohlepfeiler wurde dann nach Beendigung des Tiefbaus (1892) im Stollenbetrieb hereingewonnen.

Text aus:

MÜGGE, V.; WREDE, V., DRODZEWSKI, G.: Von Korallenriffen, Schachtelhalmen und dem Alten Mann. Ein spannender Führer zu 22 Geotopen im mittleren Ruhrtal. Klartext, 2005.

Nach oben

GeoPark-Cache

Erdteufelcache

Rallyes für Kinder

Aufgaben
(1,71 MB)
Rallye durch das Muttental
Dokument
Strecke und Stationen
(237 KB)
Rallye durch das Muttental
Aufgaben
(2,12 MB)
Rallye durch die Zeche Nachtigall
metropoleruhr.de #Geopark Ruhrgebiet #Geopark entdecken #Geotope #Muttental