Niepkuhlen

Waldwinkelsweg, Neukirchen-Vlyn (Niepkuhlen bei Niep)

Nächstgelegene Bushaltestelle: Am Waldwinkel.

Ganz im Westen des GeoParks Ruhrgebiet fällt in der flachen, von der Niederterrasse des Rheins gebildeten Landschaft nördlich von Krefeld eine langgestreckte Kette von Teichen und kleinen Seen auf, die miteinander verbunden sind und sich vom Krefeld-Bockum über Rheurdt bis südlich von Issum verfolgen lässt und sich dann (jenseits der GeoPark-Grenze) in das Nierstal fortsetzt. Das Gewässer, das diese Rinne durchfließt, hat den Namen Niep, die einzelnen Teiche werden vor allem im Gebiet zwischen Krefeld und Rheurdt als „Niepkuhlen“ bezeichnet.

Schnitt durch die Niep-Rinne bei Krefeld-Verberg. Abbildung: Schlimm (1984)
Schnitt durch die Niep-Rinne bei Krefeld-Verberg. Abbildung: Schlimm (1984)

Bemerkenswert ist das starke Mäandrieren dieser etwa 150 – 200 m breiten und einige Meter tief in den Untergrund eingeschnittenen Rinne. Breite und Tiefe der Rinne und die Gestalt der Mäander deuten auf ein größeres Fließgewässer als Ursache hin. Abschätzungen ergaben einen Abfluss von etwa 60 – 80 m³ pro Sekunde, was etwa der Wassermenge der Ruhr bei Hattingen entspricht. Da diese Wassermenge auch bei hohen Niederschlägen nicht allein aus dem recht kleinen Einzugsgebiet der Niep stammen kann, muss es sich dabei um einen früheren Rheinarm handeln, der über die Niers zum Maastal hin entwässerte.

Niepkuhlen. Foto: GeoPark Ruhrgebiet
Niepkuhlen. Foto: GeoPark Ruhrgebiet

Untersuchungen der Ablagerungen in der Niep-Rinne zeigten, dass sie wohl in der Alleröd-Zeit entstand (d.h. am Ende der letzten Kaltzeit, der Weichselzeit, vor ca. 11.000 Jahren). Etwa 1.000 Jahre später, im sog. Prä-Boreal, hatte sich der Rhein aber in seinem Hauptbett soweit eingetieft, dass von dort aus kein Wasser mehr in die Niep gelangen konnte. Die Rinne verlandete und es bildete sich eine moorige Senke aus, in der sich aus dem abgestorbenen Pflanzenmaterial Torf bildete. Das Torfwachstum hielt bis in die historische Zeit an. Einzelne dünne Sand- und Schluffablagerungen innerhalb der Torfschichten deuten auf vereinzelte Hochwasserereignisse hin. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit griff der Mensch in die Entwicklung der Niep-Rinne ein, da man begann den Torf als Brennmaterial zu gewinnen. Erst durch den Torfabbau entstanden die offenen Wasserflächen der Niepkuhlen, die heute perlschnurartig aneinander gereiht die Landschaft durchziehen. Als im 16. Jahrhundert versucht wurde, den Rhein bei Rheinberg über einen schiffbaren Kanal, die „Fossa Eugeniana“ mit der Maas zu verbinden, wurde die Niep angezapft, so dass sie heute teilweise in den Rhein entwässert. Zuletzt störten durch den Steinkohlenbergbau ausgelöste Senkungen des Untergrundes den Abfluss der Niepkuhlen, der über Pumpanlagen teilweise künstlich reguliert werden muss. Heute drohen die Gewässer wieder zu verlanden. Um die Niepkuhlen als Landschaftselemente zu erhalten, müssen sie daher von Zeit zu Zeit ausgebaggert werden.

(Dr. Volker Wrede)

Literatur: Schlimm, W. (1984): Niepkuhlen. – In: Erläuterungen zur Geol. Kt. v. Nordrh.-Westf.,  1 : 100 000, Blatt C 4702 Krefeld: S. 57 – 59; Krefeld.

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