Schee-Tunnel zwischen Sprockhövel und Wuppertal

Kuxloher Weg / Eisenbahnstraße, Sprockhövel

Der Schee-Tunnel ist als kombinierter Rad- und Wanderweg Teil des Radwegenetzes und verbindet  die Kohlenbahntrasse des Radwegenetz Von-Ruhr-zur-Ruhr mit der Wuppertaler Nordbahntrasse. Die Infotafel befindet sich in Sprockhövel- an der Überführung der ehemaligen Eisenbahnstrecke über die Straße „Kuxloher Weg“ südlich des früheren Bahnhofs „Schee“. Die Zufahrt kann auch vom Golfhotel Vesper / Gut Frielinghausen aus über den dortigen Parkplatz erfolgen. Der nördliche Tunneleingang liegt etwa 350 m südlich der Infotafel.

Der 772 Meter lange Schee-Tunnel bietet einen Einblick in die Gesteinsschichten des „Flözleeren Oberkarbons“ (Namurium A und B; ca. 320 Mio. J. v. heute). Zwar ist der Tunnel mit einer Betonschale ausgekleidet, er verfügt jedoch auf beiden Seiten über 70 Sicherheitsnischen, in denen meist ein freier Blick auf den anstehenden Fels möglich ist. Zur genaueren Betrachtung empfiehlt es sich, eine Taschenlampe mitzubringen.

Als die im Tunnel zu sehenden Gesteine entstanden, war das Gebiet von einem flachen Meer bedeckt. Das beweisen seltene Funde von Goniatiten (siehe unten), einer Ammonitengruppe. Durch die Schrägstellung der Schichten ergibt sich eine  Abfolge von jüngeren  Ablagerungen im Norden des Tunnels hin zu älteren im Süden des Tunnels. Wer an dieser Stelle den Tunnel betritt, erlebt die Erdgeschichte also in umgekehrter Reihenfolge. Der Schee-Tunnel ist übrigens der einzige Ort, an dem diese Schichtenfolge zusammenhängend betrachtet werden kann.

Die Gesteinsabfolge reicht von den „Hangenden Alaunschiefern“, die im südlichen Tunnelvoreinschnitt aufgeschlossen waren, bis zu den sandsteinreichen Schichten der Erlenrode- und Hagen-Formation. Sie bilden den Hügel, den der Tunnel durchquert.  Hier haben die Sandsteine der Verwitterung einen größeren Widerstand entgegengesetzt als die „weicheren“ Gesteine der benachbarten Formationen.

Kurz nach dem nördlichen Tunnelausgang sind die sandsteinarmen Schichten der Ziegelschiefer-Formation zu finden. Mit der Kaisberg-Formation beginnt das „Flözführende Oberkarbon“.  Die Schichten wurden in einem Küstendelta abgelagert, in dem aus Waldmooren die ersten Kohleflöze entstanden. Die harten Sandsteinschichten der Kaisberg-Formation bilden den Höhenrücken, der sich kurz vor dem ehemaligen Bahnhof Schee beiderseits der Bahnstrecke erstreckt. Nördlich des Bahnhofs,  am früheren Schacht Hövel, traten die ersten abbauwürdigen Flöze auf.

Die zu sehenden Schichten im Tunnel fallen mit ca. 60 – 80° nach Norden ein.  Erst 1,5 Kilometer nördlich des Tunnels ändert sich die Einfallsrichtung, d.h. die Schichten biegen um und bilden eine Falte, die sogenannte Herzkämper Mulde.

Auch im Tunnel treten Wechsel in der Einfallsrichtung der Schichten auf. Diese kleineren Falten stehen im Zusammenhang mit Störungen wie etwa dem „Berghaus-Wechsel“. Dabei handelt es sich um eine Überschiebung, an der die Schichten gedoppelt werden.

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