Schwarzes Wasser

Am Schwarzen Wasser, Wesel

In Wesel zweigt von der Bocholter Strasse (B 473) die Straße Kanonenberge nach Norden ab (Wegweiser zum THW). Am Ende der Straße (Bahnkreuzung) liegt links ein Parkplatz. Von hier führt der Weg „Am Schwarzen Wasser“ zum Naturschutzgebiet, das von einem ca. 2 km langen Rundwanderweg erschlossen wird.

Der Heidesee "Schwarzes Wasser" in Wesel. Foto: V. Wrede
Der Heidesee "Schwarzes Wasser" in Wesel. Foto: V. Wrede

In der Flürener Heide nördlich von Wesel liegt inmitten eines bewaldeten Dünengebietes das Naturschutzgebiet „Schwarzes Wasser“ mit seinem Heidesee. Hier treten seltene, an die Bedingungen extrem nährstoffarmer Heide- und Moorböden angepasste Pflanzenarten auf. Durch die unterschiedlichen Standortbedigungen mit offenen, trockenen Sandflächen, Dünenhängen, Heide und Wald kommt es zu einer großen Artenvielfalt an Pflanzen, Insekten und Amphibien.

Wie ist dieses Naturschutzgebiet entstanden? Und warum ist das Wasser schwarz? Um diese Fragen zu klären, müssen wir zurückgehen bis an das Ende der letzten Eiszeit. Damals erstreckte sich über das ganze, fast vegetationsfreie Niederrheingebiet eine riesige Schotterfläche, die als „Ältere Niederterrasse“ vom Rhein, der Maas und der Ruhr in der Kältesteppe während der Weichsel Kaltzeit aufgeschüttet wurde. Zwar reichten die skandinavischen Gletscher zu dieser Zeit nicht mehr bis in unser Gebiet, mit durchschnittlichen Juli-Höchsttemperaturen von nur 5°C herrschten aber zumindest im Hochglazial durchaus arktische Verhältnisse.

Mit dem Beginn der Alleröd-Zeit vor ca. 11.500 Jahren begann sich das Klima deutlich zu erwärmen, die Niederschläge nahmen zu und die Flüsse lagerten nun neben Sand und Kies auch weitflächig tonige Hochflutlehme ab.

Wie uns die in den Sedimenten überlieferten Pollen der Pflanzen verraten, bildeten sich in Rinnen und Senken über dem undurchlässigen Untergrund Moore, während in der Umgebung Gräser und die ersten Kiefern und Birken wuchsen. Aus den weiten Schotterfluren der großen Flüsse blies der vorherrschende  Westwind Sand und Staub aus und verteilte ihn großräumig über das angrenzende Land. Die gröberen Partikel fielen zuerst zu Boden und bildeten die Flugsanddecke, die östlich des Rheintals fast überall die älteren Ablagerungen verhüllt, das feinere Material wurde als Löss bis weit in das Münsterland verdriftet.

Der Flugsand wurde zu bis zu 10 m hohen Dünen zusammen geweht, wie wir sie in der Umgebung des „Schwarzen Wassers“ allenthalben antreffen. Zwischen den Dünen bildeten sich Wannen, aus denen aller Sand bis zum unterlagernden Hochflutlehm hinab ausgeblasen wurde. Hier staut sich das Regenwasser, das nicht weiter nach unten versickern kann. So bildete sich inmitten des Dünenfeldes der Flürener Heide der Moorsee „Schwarzes Wasser“.

Bedingt durch das allmählich immer wärmer werdende Klima konnte sich ein reiches Pflanzenleben im Wasser und seiner Umgebung entwickeln, was zur Ablagerung von Torf in der ehemaligen Ausblasungswanne führte.

Bei der Zersetzung des Pflanzenmaterials zu Torf werden Huminsäuren frei, die den Moorwässern ihre typisch rotbraune Farbe verleihen. Diese dunkle Färbung des Wassers gab wohl Anlass zum Namen „Schwarzes Wasser“.

(Dr. Volker Wrede)

HEINRICH, U. (2004): Das Schwarze Wasser bei Wesel – Perle im Wald. – Naturspiegel, 54: S. 10, 1 Abb.; Krefeld.
HILD, J. (1968): Schwarzes Wasser. – In: Die Naturschutzgebiete im nördlichen Rheinland. – Schr.-R. Landesanst. f. Naturschutz und Landschaftspflege, 3:69-71, Abb.; Recklinghausen.
JANSEN, F.(2001): Erläuterungen z. Geol. Kt. von Nordrhein-Westf., Bl. 4305 Wesel; Krefeld.
SCHUBERT, F. (2012): Das Relikt aus der Eiszeit. – In:TÜCKMANTEL,U.: Geheimnisvolle Orte: 138-141, 3 Abb.; Düsseldorf.

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