Steinbruch Kassenberg

Geostopp 2 der GeoRoute Ruhr

Alte Straße / Heuweg, Mülheim an der Ruhr

Der Steinbruch befindet sich am Kassenberg im Ortsteil Broich auf der linken Ruhrseite oberhalb des Fossilienwegs. Am besten erreicht man das Gelände über den Südeingang an der Kreuzung Alte Straße / Heuweg. Das Steinbruchareal ist noch in Betrieb und daher nur mit vorheriger Genehmigung zugänglich. Eine Bushaltestelle (Lindgens) befindet sich etwa 150 m vom Südeingang entfernt an der Straße Kassenberg.

Der Kassenberg bietet einen ausgezeichneten Einblick in die Ausbildung von küstennahen Ablagerungen der Oberkreide über dem gefalteten Oberkarbon. Zur Zeit des Cenomans befand sich dort eine Brandungsküste, deren Relikte bis heute überliefert sind. Vom Eingang aus erreicht man die Gebäudereste der alten Ziegelei, deren Produktion 1981 eingestellt wurde.

Der Steinbruch stellt den nordwestlichsten Karbonaufschluss des Ruhrgebietes und, wie die Kreidebedeckung zeigt, den südwestlichsten Zipfel des Münsterlandes dar, ein 3-Landschaftseck aus Münsterland, Bergischem Land und Niederrheingebiet. Die dort aufgeschlossenen Schichten des Oberkarbons bestehen aus dem Ruhrsandstein, Tonsteinlagen und einigen Kohleflözen: Neuflöz 1, hier ältestes Flöz, tritt als Wurzelhorizont im Nordosten der Ziegelei auf; Neuflöz 2 lag höher im Hangenden, ist aber nicht mehr zu sehen.

Die Steinkohle war und ist in diesem Steinbruch nicht das Abbauprodukt, sondern der Ruhrsandstein: Ein sehr robuster, weil im bereits druckentlasteten Zustand an der Oberfläche abgebauter Sandstein. Er wurde als Werkstein in der hiesigen Gegend viel benutzt, wird heute aus Preisgründen nur noch für die Restaurierung historischer Bauten eingesetzt. Die Sandsteinschichten fallen flach nach Osten, Richtung Ruhr, ein. Zwischen den Sandsteinbänken befinden sich Tonsteinlagen: plattig, schwärzlich, ca. 10 m mächtig und fossilienführend: u. a. auch Quastenflosser.

Im mittleren und östlichen Teil des Steinbruchs werden die durch die variscische Faltung schräg gelagerten Karbonschichten mit einer Winkeldiskordanz von flach liegenden Ablagerungen der Oberkreide überdeckt. Die Schichten der Oberkreidezeit (Cenoman) sind hier in einer sogenannten „Klippenfazies“ ausgebildet. Die massiven Karbonsandsteine bildeten ein Kliff im Kreidemeer, das von grobem Brandungsgeröll umgeben war. Rötliche Kalksteine verkitteten die Gerölle und formten so ein massives Konglomerat an der Basis der Kreideschichten. Auf den Felsen des Kliffs bildeten sich Auskolkungen und Strudellöcher, was ebenfalls auf eine starke Wasserbewegung hinweist.

In den Zwischenräumen der Brandungsgerölle und in den Strudellöchern und Kolken blieben zahlreiche Fossilien erhalten: Austern besiedelten die Felsen in  der Brandungszone, Bohrmuscheln hinterließen ihre Gänge im Gestein. Reste von Seelilien, Schnecken und Muscheln wurden von den Wellen zusammen geschwemmt und in den Vertiefungen des Meeresbodens abgelagert.


Fossilsammlungen aus den oberkretazischen Basiskonglomerat am Kassenberg gibt es im Mülheimer Tersteegen-Haus oder im Ruhr Museum Essen zu sehen. Über einen Fußpfad ist ein Teil der Aufschlusswand des Basis-Konglomerates erreichbar. Auf der Oberfläche dieser Klippe ist nur noch ein Strudelloch (Auskolkung) zu sehen, als letzter noch vorhandener Rest von Taschen, Rinnen etc. im Karbonsandstein, entstanden durch die Brandungs-Erosion des Kreidemeeres. Auch hier wurden früher reiche Fossilfunde getätigt. Über dem cenomanen Konglomerat folgen im Steinbruchgebiet der Essener und der Bochumer Gründsand, der bereits dem Turon angehört, aber zur Zeit kaum aufgeschlossen ist.

(veränderter Auszug aus dem Geotop-Kataster NRW)

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