Steinbruch Mitzwinkel in Essen-Kettwig

Geostopp 12 der GeoRoute Ruhr

Ruhrtalstraße (Abzweig am Kattenturm), Essen (Zugang)

Der Steinbruch liegt auf dem rechten Ruhrufer zwischen Essen Werden und Essen Kettwig. Von der S-Bahn Station "Essen Kettwig" folgen Sie der Ruhrtalstraße etwa 600 Meter in Richtung Werden. An der Bushaltestelle "Kattenturm", an der Ruine Kattenturm zweigt ein Wanderweg nach links ab. Er biegt nach etwa 50 Metern nach rechts ab und führt von dort aus 300 Meter bergauf zum Steinbruch.

Der Aufschluss „Mitzwinkel“ wird in der geologischen Literatur mehrfach erwähnt. Die detaillierteste Beschreibung publizierte W. Schmidt 1954 im „Geologischen Jahrbuch“. Danach waren seinerzeit am südlichen Ende der Aufschlusswand noch zwei Kohleflöze aufgeschlossen (davon eines über 1,20 m mächtig), die er als Flöz Wasserbank und Flöz Dreckbank einstufte (nach der modernen Nomenklatur wären die Flöze als Wasserbank 2 und Wasserbank 1 zu bezeichnen). Ausführlich widmete er sich den Fossilien in den beiden marinen Horizonten, die über Flöz Neuflöz (Oberbank) und Flöz Wasserbank 2 auftreten.

Der Horizont über Flöz Neuflöz enthält neben Muscheln und den Grabgängen von Würmern besonders häufig Fischschuppen, die von urtümlichen Quastenflossern herrühren. Im marinen Horizont über Flöz Wasserbank 2 entdeckte er den unscheinbaren Überrest eines körperlich erhaltenen Ringelwurms, bis heute der einzige Fund dieser Art im Ruhrkarbon. Er erhielt nach dem Fundort bei Kettwig und dem bekannten Karbon-Geologen Dr. Paul Michelau den wissenschaftlichen Namen Kettwigiella michelaui.

Felssicherungsarbeiten gaben Gelegenheit, auch den mittlerweile völlig verfallenen Abschnitt des Profils, in dem die Ausbisse der Wasserbank-Flöze zu vermuten waren, wieder freizulegen. Bereits nach kurzem Baggereinsatz konnte die Beschreibung W. Schmidts bestätigt werden, allerdings mit dem Unterschied, dass das Flöz Wasserbank 2 sogar eine Mächtigkeit von über 2,80 m aufwies (mit ca. 1,20 m reiner Kohle). Die Kohleschichten wurden durch Bodenfließen als „Flözblume“ hangabwärts verbogen.

In der Steinbruchwand sind die Schichten gleichmäßig mit etwa 45° nach Südwesten geneigt (Profil 1). Folgt man der GeoRoute Ruhr 75 m aufwärts, liegt links des Weges ein weiterer Aufschluss (Profil 2). Dort wiederholt sich die Schichtenfolge in umgekehrter Reihenfolge, beginnend mit den Wasserbank-Flözen (schwarze Bodenverfärbung), über die dickbankigen Sandsteine bis zum marinen Tonsteinhorizont. Die Schichten sind aber steil nach Nordosten geneigt. Der Weg folgt daher dem Kern einer muldenförmigen Gebirgsfalte. Die beiden dicht beieinander liegenden Aufschlüsse verleiteten zu der Annahme, dass sich die Mulde dicht unter der Erdoberfläche schließen müsse. So ist die Aufschlusssituation auch in den Erläuterungen zur Geologischen Karte (Blatt Kettwig) aus dem Jahr 1931 dargestellt. Dem widersprach, dass nach den Unterlagen der „Flötzkarte des niederrheinisch-westälischen Steinkohlebeckens“ aus dem Jahr 1868 hier die Zeche „Kanzel“ ein Flöz „Schurfflöz“ bis zur Talsohle der Ruhr abgebaut hatte. Durch eine Recherche bei der Bergbehörde in Dortmund konnte festgestellt werden, dass noch Grubenrisse der Zeche „Kanzel“, die von 1802 bis 1865 in Betrieb war, vorhanden sind. Die Auswertung dieser Unterlagen ergab, dass sich die Mulde mit einem etwa 45° einfallenden Nordflügel und einem steilen und z.T. überkippten Südflügel bezogen auf Flöz Wasserbank 2 (das hier früher als „Schurfflöz“ bezeichnet wurde) noch etwa 40 m in die Tiefe erstreckt.

Das Stollenmundloch der Zeche ist etwa 150 m südlich (abwärts) vom geologischen Aufschluss auf der linken Wegseite noch zu erkennen; ebenso eine Schachtpinge im Wald oberhalb des Aufschlusses. Der Wasseraustritt unmittelbar an der Ruhrtalstraße unterhalb des Steinbruchs ist keine natürliche Quelle, sondern rührt vom völlig verstürzten Wasserlösungsstollen der Zeche „Kanzel“ her. Da nach den Angaben in den Grubenrissen die Mächtigkeit des abgebauten Flözes durchweg nur etwa 40 – 60 cm betrug, muss die extreme Verdickung im Aufschlussbereich eine andere Ursache haben. Am wahrscheinlichsten erscheint das Vorhandensein einer Überschiebungszone, die das Flöz verschuppt hat.

(Dr. Volker Wrede)

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