Steinbrüche Bimbergtal

Hohlweg 11, Unna (von B1 aus auf gegenüberliegende Seite abbiegen)

Von der Bundesstrasse 1 zweigt östlich von Unna in der Höhe von Unna-Mülhausen (gegenüber der Einmündung der Straße „Hohlweg“) ein Fahrweg nach Süden in das Tal des Lünerner Bachs (auch als Bimbergtal bezeichnet) ab, der nach kurzer Strecke an einem Wanderparkplatz endet. Folgt man zu Fuß dem Talweg weiter nach Süden in Richtung Autobahnbrücke, so sind bereits nach etwa 200 m in der westlichen Talflanke etwas im Wald versteckt Felsklippen aus einem deutlich geschichteten, gelblichweißen bis hellgelbgrauen Gestein zu sehen. Hier befindet sich auch eine Erläuterungstafel. Ein weiterer, allerdings nicht ganz einfach zu findender ehemaliger Steinbruch liegt auch am Hang des Kessebürener Bachtals, das vom Wanderparkplatz aus nach Südwesten führt.

Der Steinbruch. Foto: Geologischer Dienst NRW
Der Steinbruch. Foto: Geologischer Dienst NRW

Die Felsklippen in der Talflanke des Lünerner Baches sind die Überreste eines verfallenen Steinbruchs. Es wurden hier früher Mergelkalksteine der Kreide-Zeit, so genannte Plänerkalksteine, als Bausteine für Scheunen und Häuser in den umliegenden Dörfern sowie für die Befestigung von Straßen und Wegen gewonnen. Insbesondere in den aus Stein gebauten Fundamenten und Sockeln von  Fachwerkhäusern fanden sie Verwendung. Wegen der relativ geringen Festigkeit hat der Abbau aber keine große Bedeutung erlangt, so dass der Steinbruchbetrieb schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde.

Ein Blick in die Kreidezeit

Der ehemalige Steinbruch ermöglicht einen Blick unter den Boden und damit in einen etwa 90 Millionen Jahre zurückliegenden Abschnitt der Kreide-Zeit, das Turonium. Er bietet eine der seltenen Gelegenheiten, einen Ausschnitt aus der für den Haarstrang und große Teile des Ruhrgebiets typischen und für den Grundwasserhaushalt wichtigen Plänerkalk-Gruppe zu sehen und hat daher als Geotop eine besondere Bedeutung.

Die zur Oerlinghausen-Formation zählende Schichtenfolge besteht aus gebankten Kalkmergel- und Mergelkalksteinen. Die einzelnen, durch dünne, etwa horizontal verlaufende Mergelfugen getrennten Bänke sind von unterschiedlicher Festigkeit. Sie sind stark verwittert und zerfallen sehr unregelmäßig – die ungünstigen Materialeigenschaften sind dadurch offensichtlich.

In den Gesteinen kommen gelegentlich Fossilreste vor. Es sind hauptsächlich mehrere Zentimeter große, kräftig berippte Schalen von Muscheln mit dem wissenschaftlichen Namen Inoceramus lamarcki. Nach diesem Fossil wurden die Schichten früher auch als lamarcki-Schichten bezeichnet. Diese Muscheln und weitere Fossilien sowie im Gestein erkennbare Lebensspuren zeigen, dass sie als Meeresablagerungen in einem flachen Schelfmeer entstanden sind. Sie stammen aus einer Zeit, als global ein warmes Klima herrschte und der Meeresspiegel gegenüber heute deutlich höher lag. Das gesamte Münsterland und Ruhrgebiet waren damals bis weit über den Haarstrang hinaus vom Meer überflutet, die südliche Küstenlinie verlief im Sauerland.

Querschnitt durch den Haarstrang bei Unna-Mülhausen mit Position des Steinbruchs am Lünerner Bach.
Querschnitt durch den Haarstrang bei Unna-Mülhausen mit Position des Steinbruchs am  Lünerner Bach.

Der geologische Schnitt zeigt die Schichtenfolge am Haarstrang. Um die Kreide-Schichten darstellen zu können, ist in der Höhe ein größerer Maßstab als in der Länge notwendig. Durch diesen Überhöhungseffekt erscheinen sie steil nach Norden abtauchend. Tatsächlich liegen die Schichten aber relativ flach und sind mit 1-2° leicht nach Norden geneigt. In (Unna-) Mühlhausen und Uelzen (nördlich der Bundesstraße 1) sind sie deshalb in einigen Metern Tiefe im Untergrund zu finden.

Ehemaliger Steinbruch im Bimbergtal: „Plänerkalkstein“ mit deutlich erweiterten Klüften. Foto: Geologischer Dienst NRW
Ehemaliger Steinbruch im Bimbergtal: „Plänerkalkstein“ mit deutlich erweiterten Klüften. Foto: Geologischer Dienst NRW

Auffällig ist die gute Klüftung des Gesteins mit senkrecht zu den Schichten verlaufenden, mehr oder weniger glatten Kluftflächen. Hierdurch werden die Bänke in einzelne Blöcke zerlegt. Gut zu erkennen ist, dass viele Klüfte durch versickerndes Regenwasser und Kalklösung zu schmalen Spalten erweitert sind. Man nennt diesen Vorgang „Verkarstung“; bei größerer Intensität entstehen hierdurch Höhlen. Auf den offenen Spalten gelangt das Niederschlagswasser in den Untergrund. Auch Lünerner und Kessebürener Bach versickern über solche Kluftbahnen in den Untergrund und fallen sogar zeitweise trocken. Das Wasser fließt unterirdisch nach Norden und tritt in den Quellen bei Mühlhausen wieder an die Oberfläche, dort, wo die klüftigen Plänerkalksteine von wasserundurchlässigen Mergelsteinen überlagert werden.Die hier aufgeschlossenen Schichten stehen somit mit den Mühlhausener Quellen
in engem Zusammenhang.

(Dr. Martin Hiß)

Literatur:

Abels, A. & Hiß, M. & Mutterlose, J.(2010): Kreide-Zeit im GeoPark Ruhrgebiet. – GeoPark-Themen, 5: 40 S.; Essen.
Hiß, M. (2008): Verfallene Steinbrüche geben Einblick in die Kreidezeit. – Jahrb. Kr. Unna, 2008: 116 – 124; Unna.
Hiß, M. Mutterlose, J. & Kaplan, U. (2008): Die Kreide des östlichen Ruhrgebiets zwischen
Unna und Haltern. – Jber. Mitt. oberrh. geol. Verein, N.F. 90: 187 – 222, 21 Abb.; Stuttgart. (Geologische Exkursionen in den Nationalen GeoPark Ruhrgebiet)

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