Sutan-Aufschluss

Geostopp 22 der GeoRoute Ruhr

Lanfermannfähre 12, Essen

Am Nordufer des Baldeneysees in Essen-Heisingen erhebt sich neben der GeoRoute Ruhr als technisches Industriedenkmal das Fördergerüst des früheren Schachtes Zeche Carl Funke I (s.u.). Nach Westen hin schließt sich das Gelände des ehemaligen Holzplatzes der Zeche an, das nach Norden hin von einer Felswand begrenzt wird. Hier befindet sich der bekannte Aufschluss der Sutan Überschiebung. Eine Tafel vor Ort informiert über die geologische Situation.

In der Felswand am Holzplatz der Zeche Carl Funke sind Sand- und Siltsteine der Witten-Formation („Wittener Schichten“) aufgeschlossen. Die Schichten fallen generell nach Osten hin ein, im östlichen Teil des Aufschlusses mit ca. 30 - 40°, im westlichen Teil etwas flacher mit 20°. Hier ist zudem eine ausgeprägte Spezialfaltung in Form zweier sehr kompliziert gebauter Sattelstrukturen zu erkennen. Vom Schichteinfallen her wären nun im östlichen Teil des Aufschlusses die jüngeren Schichten zu erwarten, im westlichen Teil die älteren. Tatsächlich gehören aber die sandsteinreichen Schichten im Osten zu den Unteren Wittener Schichten im Bereich von Flöz Mausegatt, während im Westteil tonig-siltige Gesteine der Oberen Witten-Schichten auftreten. Ursache für diese Erscheinung ist die Sutan-Überschiebung. Im Bereich der Zeche Carl Funke wurde an dieser Gebirgsstörung die südöstliche Scholle um ca. 1.200 m (gemessen auf der  Störungsfläche)  aufgeschoben,  so dass sich ein (senkrecht zur Schichtung gemessener) Verwurf der Schichtenfolge von rund 200 – 300 m ergibt.

Derartige Störungen werden als „Überschiebungen“ bezeichnet. Die Bergleute benutzten auch den Ausdruck „Wechsel“ dafür. Der „Sutan“ ist die bedeutendste Überschiebung des Ruhrkarbons: Sie begleitet den Wattenscheider Hauptsattel vom Gebiet zwischen Essen-Kettwig und Ratingen aus (wo er in Ermanglung von Aufschlüssen nicht weiter zu verfolgen ist) über eine Entfernung von ca. 120 km bis in den Raum Hamm in Westfalen. Hier läuft die Störung dann allmählich aus, so dass sie auf der Zeche „Westfalen“ in Ahlen nicht mehr zu erkennen war. Die größten stratigraphischen Verwürfe erreicht die Störung im mittleren Ruhrgebiet mit bis zu 900 m!

Querschnitt durch den Gebirgsbau im Bereich der ehemaligen Zeche Carl Funke (nach Hahne 1958)
Querschnitt durch den Gebirgsbau im Bereich der ehemaligen Zeche Carl Funke (nach Hahne 1958)

Dadurch, dass es zu einer Doppellagerung der Schichten kommt, bewirken die Überschiebungen  im  Gebirgsbau  –  genau wie die Falten – eine Einengung und Verkürzung der Schichten. Umfangreiche  Untersuchungen zur Natur dieser Störungen haben gezeigt, dass sie zusammen mit der Faltung entstehen und gemeinsam mit den Gebirgsschichten beim Fortgang der Faltung verformt werden. Man spricht daher auch von „mitgefalteten Überschiebungen“. Die Überschiebungen sind in bestimmten tektonischen Stockwerken konzentriert, das heißt, sie laufen sowohl zur Tiefe hin wie nach oben aus. Dies gilt auch für den Sutan: Das unterschiedliche Schichteinfallen beiderseits der Störungsfläche bewirkt,  dass  die  Störung  in den Schichten des Flözleeren Namurs ihre Wurzel hat. Das obere Ende des Sutans war früher auf der Zeche Erin im sogenannten Marler Graben in Castrop-Rauxel aufgeschlossen. Die Störung läuft hier zum Hangenden hin aus und wird von entgegengesetzt nach Norden einfallenden Störungen ersetzt. Überraschend am Aufschluss an der Zeche Carl Funke ist sicherlich, dass die Störungsbahn selbst recht unscheinbar und nur wenige Dezimeter mächtig ist. Sie fällt im Aufschluss mit ca. 45° nach Südosten hin ein; innerhalb der Störungszone sind die Schichten völlig zerschert und dachziegelartig übereinander geschoben.

(Dr. Volker Wrede)

Zeche Carl Funke

Geostopp 23 der GeoRoute Ruhr

Als technisches Denkmal wurde der Fördertum der früheren Zeche Carl Funke erhalten, die hier in der Zeit von 1906 bis 1973 Kohle abbaute. Sie gehört zu den sogenannten "Seezechen" im Ruhrtal, die so genannt wurden weil sie unter dem Baldeneysee Kohle gewannen. Hierzu gehörten auch die Zechen Poertingssiepen am gegenüberliegenden Seeufer und die Zeche Dahlhausener Tiefbau in Bochum Dahlhausen, die unterirdisch mit Carl Funke verbunden war. Die Zeche Carl Funke entwickelte sich aus der 1871 gegründeten Zeche "Heisinger Tiefbau", die ihrerseits wieder auf das schon 1773 urkundlich nachweisbare Bergwerk "Hunsnocken" zurückging.

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