Ziegeleisteinbruch Vorhalle

Nationales Geotop

Sporbecker Weg 14, Hagen

Der Steinbruch liegt in Hagen-Vorhalle, unweit des Autobahnkreuzes Hagen-West. Von dort aus gelangt man über die Weststraße und die B54 (Richtung Hagen) zum Sporbecker Weg (rechts abbiegen). Nach etwas 400 Metern gelangt man zu einer Bushaltestelle (Ziegelei) an der links ein Fußweg abzweigt, der in den Steinbruch führt.

Der Ziegeleisteinbruch in Hagen-Vorhalle ist eines von drei „Nationalen Geotopen“ im GeoPark Ruhrgebiet. Er wurde im Jahr 2006 von der Akademie der Geowissenschaften zu Hannover in die Liste der bedeutendsten Geotope in Deutschland aufgenommen und ausgezeichnet.

In der ehemaligen Ziegelgrube Hagen-Vorhalle sind in einer steilen Felswand mehrere Ton- und Sandsteinlagen zu spektakulären Gesteinsfalten geformt. Besonders bemerkenswert sind die spitzen Umbiegungen der einzelnen Falten. Die Schichtenfolge im Steinbruch gehört zum „flözleeren Oberkarbon, das der Steinkohlenformation angehört, aber keine Kohleflöze enthält.  Die Tonsteine wurden bis 1989 abgebaut und zu keramischen Erzeugnissen verarbeitet. Die Gesteinsabfolge trägt den geologischen Namen Ziegelschiefer-Formation. Die Schichten im Steinbruch sind in spektakulärer Weise zu Sätteln und Mulden aufgefaltet, die zusätzlich zerbrochen und von Störungen durchsetzt sind. Besonder git lässt sich erkenne, wie die Ton- und Sandsteine auf den Faltungsdruck reagiert haben und je nach Härte eher spröde oder plastisch verformt wurden.

Allein dieser faszinierende Anblick ist schon ein Ausflug hierher wert. Weltweite Bedeutung besitzt die stillgelegte Grube jedoch als Fossilfundstätte. Tausende Fossilien wurden bereits bei wissenschaftlichen Grabungen geborgen. Dabei konnten sowohl Meeresbewohner als auch Landlebewesen in ein und derselben Gesteinsschicht gefunden werden. Jeder Fossilfund ist ein Puzzleteil einer ehemaligen Lebewelt, die hier vor etwa 320 Millionen Jahren existierte.

Wie sah die Landschaft damals aus? Wahrscheinlich war es eine Lagune oder Flussmündung an einer subtropischen Meeresküste. Im warmen Wasser dieser Lagune gab es kaum Wellenschlag. Vom offnen Meer her wurden Goniatiten, Verwandte der heute lebenden Tintenfische, in die Lagune verdriftet. Vom Festland stammten dagegen vor allem Pflanzenreste wie Blätter, Zweige oder gar Stammreste vom urtümlichen „Schuppenbaum“ (Lepidodendron) oder „Siegelbaum“ (Sigilaria). Sie wurden in Flüssen und Bachläufen als Treibholz mitsamt den darauf herumkrabbelnden Spinnen und Skorpionen in die Lagune eingeschwemmt. Zu den wohl auffälligsten Tieren zählten riesige Insekten. Der Luftraum war damals einzig und alleine ihnen vorbehalten. Die Fossilfunde aus Hagen-Vorhalle sind die  ältesten bisher bekannten Überreste von flugfähigen Insekten weltweit. So zum Beispiel Namurotypus sippelli, ein urtümliches libellenartiges Insekt mit kompliziertem Flügelmechanismus. Die Flügelspannweite dieser Art erreichte teilweise bis zu 32 cm. Wer heute trockenen Fußes die Ziegeleigrube begeht,, kann sich nur schwer vorstellen, dass dort vor über 300 Millionen Jahren tintenfischartige Tiere durch das seichte warme Wasser einer waldumsäumten Lagune schwammen und Riesenlibellen über dem Wasserspiegel durch die Lüfte segelten.

Die Ziegeleigrube Hagen-Vorhalle steht unter Naturschutz und ist ein eingetragenes Bodendenkmal. Das Sammeln von Fossilien ist hier nicht gestattet. Eine ausgewählte Kollektion der Vorhaller Funde wird jedoch im nahe gelegenen Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen präsentiert und stillt den größten „Fossilienhunger“.

(Dr. Volker Wrede)

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