Was ist ein Geopark?

Ein Geopark ist ein Gebiet mit einem besonderen geologischen Erbe. Er wird mit dem Ziel ausgewiesen, dieses zu erhalten und es den Menschen zu vermitteln.

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Geologie des Ruhrgebietes - ein Überblick

Ralf Hewig, Manfred R. Brix & Volker Wrede

Einführung

Der GeoPark Ruhrgebiet ist weitgehend deckungsgleich mit dem Gebiet des Regionalverbandes Ruhr, dem gesetzlichen Zweckverband der Kommunen und Kreise des Ruhrgebietes. Es ist ein Raum, der sich vorrangig über die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung als Montanrevier seit der industriellen Revolution erklärt. Er blickt weder auf eine gemeinsame historisch-politische Geschichte zurück noch repräsentiert er einen einheitlichen Landschaftsraum. Das Ruhrgebiet reicht vielmehr im Süden weit in das Sauerland hinein, umfasst im Norden und Osten einen erheblichen Teil des Münsterlandes und im Westen einen Teil des Niederrhein-Gebietes. Geologisch gesehen enthält es somit Anteile des Rheinischen Schiefergebirges als Teil des Variscischen Gebirges, das am Ende der Karbon-Zeit gefaltet wurde. Die überwiegend flach lagernden Schichten des Münsterländer Kreide-Beckens sind von jüngerer Bruchtektonik betroffen und die Niederrheinische Bucht stellt einen Randbereich des ausgedehnten Senkungsfeldes des Nordsee-Zentralgrabens aus dem Jung-Tertiär dar. An der Oberfläche stehen Gesteine aus den Erdzeitaltern Devon und Karbon, Perm, Kreide, Tertiär und Quartär an. Im Untergrund sind durch Bohrungen und Bergbauaufschlüsse auch Schichten der Trias und des Jura bekannt. Im GeoPark Ruhrgebiet ist somit die gesamte Erdgeschichte seit dem Mitteldevon weitgehend belegt.

zum Devon

Landschaftsräume im GeoPark Ruhrgebiet
Landschaftsräume im GeoPark Ruhrgebiet

Rohstoffland Ruhrgebiet

Die geologische Entwicklung der Region hat zahlreiche nutzbare Bodenschätze geschaffen, die als wirtschaftliche Grundlage für die Entwicklung des Ballungsraums Ruhrgebiet maßgebend und auch heute noch von großer ökonomischer Bedeutung sind: Sandsteine aus dem Devon werden bei Hagen-Ambrock in größerem Umfang als Schottermaterial gewonnen. Der sehr reine Massenkalk wird bei Hagen-Hohenlimburg abgebaut, während dolomitisierter Massenkalk in Hagen-Halden zu feuerfesten Materialien z.B. zur Ausmauerung von Industrieöfen verarbeitet wurde. Kulm-Kieselkalke und Kulm-Plattenkalke aus dem Unterkarbon werden als Schottermaterial genutzt. Von den oberkarbonischen Gesteinen bildet natürlich die Steinkohle den wichtigsten Rohstoff, aber auch die Sandsteine stehen bis heute als Bau- und Werksteine im Abbau. Die Tonsteine wurden zur Ziegelherstellung für die zahrlreichen Wohn- und Fabrikgebäude im rasch wachsenden Ruhrgebiet genutzt. Zusammen mit der Kohle treten auch sedimentäre Eisenerze auf („Kohleneisenstein“), die bis zum 2. Weltkrieg ebenfalls bergbaulich gewonnen wurden. Der Perm-Zeit verdanken wir die bedeutende Steinsalzlagerstätte am Niederrhein. Im Bereich des Haarstrangs am Südrand des Münsterlandes treten Solen aus, die besonders in der früheren Saline Unna-Königsborn genutzt wurde. Die Entstehung dieser Solen im Untergrund der Westfälischen Bucht ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Bei Bohrungen im „Bislicher Graben“ bei Xanten wurde ein sedimentäres Eisenerzvorkommen des Jura entdeckt, das sich aber als nicht abbauwürdig erwiesen hat. Aus der Kreide-Zeit wurden früher vielfach Kalke und Sandsteine als Baumaterial gewonnen. Heute sind vor allem die Sande der Haltern-Schichten von Bedeutung, die bereichsweise besonders rein sind und für Spezialzwecke (z.B. als Schleif- und Poliermittel) und zur Glasherstellung eingesetzt werden. Die etwas älteren Osterfelder Sande der Recklinghausen-Formation waren wegen ihres Schluffanteils als Formsande in der Gießerei-Industrie sehr gefragt. Sie sind weitgehend abgebaut wie auch die tonigen Bottroper Mergel, die zeitweilig als Ziegelrohstoff dienten. Auch die Vorkommen sehr reiner Tone und Sande der Tertiär-Zeit sind heute weitgehend abgebaut oder wegen Umnutzung des Geländes nicht mehr zugänglich, so dass es nur noch wenige aktive Abgrabungen in diesen Schichten gibt. Dagegen spielen die Kiese und Sande der Terrassen aus dem Quartär im Rheintal bis heute eine sehr große Rolle. Torfstich und der Abbau von Raseneisenstein in den Flussniederungen haben nur noch historisches Interesse als Keimzellen der Montanindustrie im Ruhrgebiet. Hydrothermale Buntmetallerze wurden früher als Rohstoff abgebaut. Sie kommen in abbauwürdigen Mengen als Gangerze in tektonischen Störungen des Ruhrkarbons vor.  In einigen Partien des devonischen Massenkalks im Raum Iserlohn entstanden sie durch chemische Umwandlung.

Literaturverzeichnis

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