Aufschluss Lewacker Straße

GeoRoute Ruhr

Lewacker Straße, Bochum

der Aufschluss liegt im Bochumer Stadtteil Dahlhausen an der Lewacker Straße. Etwa 150 Meter weiter nördlich liegt der Bahnhof Dahlhausen und die Bushaltestelle Bochum-Dahlhausen Ruhrmühle. Es handelt sich dabei um die Station 34 des Bergbauhistorischen Lehrpfads. Auch die Stationen 35 und 36 werden hier beschrieben. 

Die Faltung des Steinkohlengebirges

Hinter der alten Ziegelmauer am Punkt 34 des Bergbauhistorischen Lehrpfades befand sich einst ein Bierkeller mit Ausschank, der in die Felswand gegraben wurde. Gewölbeartig umrahmen hier die über 300 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten aus der Karbonzeit die ehemalige Schankwirtschaft namens „Eselstation“. Die Wölbung zeichnet die Struktur einer mehreren Meter breiten Gesteinsfalte nach, den Nöckersberger Sattel. Entlang der Lewacker Straße wurden gleich mehrere Falten in ähnlicher Dimension und Form angeschnitten. Freie Sicht besteht heute aber nur noch auf den Nöckersberger Sattel.  Auf einer historischen Aufnahme ist noch der Lindener Sattel (Abbildung rechts) zu sehen, der im Zuge von Bauarbeiten in 2016 mit einem Sicherungsnetz verdeckt wurde (Punkt 36).

Die Gesteinsfalten an der Lewacker Straße sind Teil einer übergeordneten noch größeren Falte. Es handelt sich dabei um die Bochumer Hauptmulde (Abbildung unten), die sich von Essen kommend etliche Kilometer südlich des Kettwiger Stausees bis hierhin und weiter Richtung Witten verfolgen lässt. Das gesamte Steinkohlengebirge im Ruhrgebiet ist durch solche großen Mulden und Sättel gegliedert, die alle der Richtung SW-NO folgen. Entstanden sind sie vor etwa 310 Mio. Jahren, bei der Variscischen Gebirgsbildung.

In Dahlhausen wie auch sonst im südlichen Ruhrgebiet fällt auf, dass viele Straßen diesem SW-NO-Verlauf der Falten (Streichen) folgen (z.B. die Hattinger Straße in Linden). Diese Auffälligkeit steht im direkten Zusammenhang mit der Geologie:  Die widerstandfähigen Sandsteine bilden in den Sätteln Höhenrücken und sind prädestiniert für die Anlage stabiler Verkehrswege. Im Gegensatz dazu weisen die Täler meist auf „weicheren“ Tonstein hin, die der Verwitterung schneller nachgeben. Solche Bereiche, meist noch wasserstauend, waren früher wenig geeignet für den Straßen- und Siedlungsbau.

Fossilien im Steinkohlengebirge

Wie sah eigentlich die Landschaft aus, als die Steinkohlen des Ruhrgebietes vor etwa 300 Millionen Jahren entstanden sind? Am Horizont im Süden zeichnete sich ein Gebirge ab, die Varisziden. Es sah kaum anders aus als die Alpen, lag allerdings knapp über dem Äquator in den Tropen. Das Ruhrgebiet war Teil einer großen, mit Flüssen durchzogenen, weiten Ebene im Vorland dieses Gebirges, das sich ganz allmählich nach Norden hin weiter entwickelte.  Die Ebene reichte bis zur Küste eines vorgelagerten Meeresbeckens. Zwischen den Flussläufen, bis an die Küste, wuchsen im tropischen Klima ausgedehnte Waldsumpflandschaften (s. Abbildung links) heran. Dies waren die Orte, aus denen durch die Anhäufung reichlich pflanzlicher Biomasse später die Steinkohlenlagerstätte des Ruhrgebietes hervorging. Welche Pflanzen wuchsen in der urtümlichen Waldlandschaft? Zu den damaligen Pflanzen zählten vor allem die bis zu 30 m hohe Bärlappbäume (s.  Abbildung rechts) wie der Schuppenbaum (Lepidodendron) und der Siegelbaum (Sigillaria). Dazwischen streuten sich bis zu 8 m hohe Baumfarne und farnähnliche Gewächse ein. Wichtige Vertreter waren auch die Cordaiten (Cordaitales) mit ihren langen bandförmigen Blättern.  Es waren Verwandte des heutigen Ginkobaumes und  Vorläufer unserer Nadelbäume. In den Uferzonen breiteten sich bis zu 20 m hohe Schachtelhalm-Bäume (Calamites) mit kräftigen rohrartigen Holzstämmen aus. Die heutigen Schachtelhalme werden höchstens daumendick und wachsen etwa 40 cm bis max. 3 m hoch.

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